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Beurteilung und Anmerkungen von Zeitschriften

WAZ / 16.08.2012 [ zum Original ]

Reingeschmeckt
Was für ein Platzregen! Und zwar genau zu der Zeit, als wir uns im großen Biergarten der „Roten Mühle“ eingerichtet hatten. Macht aber nichts, denn hier gibt’s die größten Sonnenschirme weit und breit. Bei der Zufahrt über die Wuppertaler Straße glaubt man nicht mehr dran, dass noch was kommt, doch dann steht es plötzlich da, das Fährhaus aus Backstein direkt an der Ruhr, das notfalls auch mit Decken für Sommerfröstler und ungemein freundlichem Personal aufwartet.

Seit gut einem Jahr empfängt Peter Soyk mit seinem Team hier in der hellen Jahreszeit (danach geht das Haus in den Winterschlaf) Radler, Paddler, Läufer oder eben auch fahrendes Volk wie uns und serviert keine spektakulären, aber grundsolide und wohlschmeckende Gerichte - und dies zügig.

So kommen unsere Getränke fix und – in einem Biergarten nicht selbstverständlich – perfekt temperiert zu Tisch. Wein- und Bierglas sind fein beschlagen, die Preise von 4,20 Euro für einen Grauburgunder, 1,60 für ein 0,2er Pils und 2,90 für eine Berliner Weiße moderat. Auf diverse Änderungswünsche einer Damenriege reagiert man hier ebenso locker wie auf einen spontanen Umzug nach drinnen und später wieder nach draußen.

Unsere Schnitzel (10,50 Euro) sind guter Durchschnitt und der Kräuterquark zur Folienkartoffel ist richtig lecker. Ein großer Salat mit Feta kommt wie die Beilagensalate als ausgesuchte Sommervielfalt auf den Tisch, die Bratkartoffeln zum Leberkäse mit Ei sind knusprig. Alle Gerichte machen dem Auge Spaß . Mit 7,50 für Leberkäse mit Beilagen oder 8,90 für Saisonales wie grüne Bandnudeln mit Pfifferlingen stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Und die nette und lauschige Atmosphäre lädt zum Wiederkommen ein; vielleicht schon am Sonntag, 19. August zum Jazzbrunch mit den Metropol Jazzmen von 10-15 Uhr.

Autor: Sabine Kelp

 

Lokales / 12.01.2011

„Wie auf einer Hallig“
Die Bugwelle, die Peter Soyk mit seinem Transporter vor sich herschiebt, ist ganz beachtlich. Er hat angeboten, mich von der anderen Seite des Stroms abzuholen. „Sie bekommen sonst wahrscheinlich nasse Füße in ihrem Auto“, hatte er am Telefon gesagt. Auch wenn dem nicht so wäre, bin ich ganz froh über das Angebot, denn es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn man so gar keine Straße mehr sieht. Dabei liegt der Pegel der Ruhr gerade einmal bei knapp über 4,70 Meter.

Ein beherztes Gasgeben, damit der Auspuff nicht vollläuft und wir sind drüben - an der „Roten Mühle“, deren Pächter der 43-Jährige seit einigen Jahren ist. Wir gehen über Schläuche und Sandsäcke in die gute Stube. Auf ein „Käffchen“, wie Peter Soyk sagt. Die Lage an der Ruhr hat sich etwas entspannt und entsprechend locker ist Soyk auch. Erfahrung spielt hier natürlich auch eine Rolle. „Zwei- bis dreimal im Winter passiert uns das, damit muss man leben“. Wenn sich das alte Fährhaus, im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel, dann für kurze Zeit in eine kleine Hallig verwandelt, ist der Pächter von der Außenwelt abgeschnitten. „Dann muss ich meine Geschäfte vom Telefon aus regeln“, sagt Soyk, der gleichzeitig Geschäftsführer des Catering-Servive „Flying Chef“ ist und darüber hinaus die Gastronomie im „Pact Zollverein“ und im Grillo-Theater betreut.

Nun ist im Winter in puncto Catering gottlob nicht allzu viel los. Denn alles Notwendige - Besteck, Teller, Tischdecken - ist in der „Roten Mühle“ gelagert. Im Jahr 2007 aber, da kam das Hochwasser im August. Soyk: „Da mussten wir alles in Boote packen und zum anderen Ufer fahren. Das Wasser war warm, so konnten die Köche ihre Klamotten ausziehen und auf der anderen Seite wieder anziehen.“ Dennoch: Die Biergartenbesucher blieben aus, der Ausfall war recht hoch. „Und wir hatten gerade übernommen.“

Im Notfall könnte sich Peter Soyk etwa ein Jahr lang selbst versorgen. Genug hat er in den Gefriertruhen. Auch sonst ist er auf das Hochwasser bestens vorbereitet. Vier Starkstrom-Pumpen können im Zweifel 400 bis 500 Liter Wasser aus den Kellern pumpen. „Die Gaststätte ist noch jedesmal trocken geblieben.“ Allerdings fristet der Teilzeit-Abenteurer dann sein Dasein allein im alten Fährhaus. Seine Lebensgefährtin zieht bei Hochwasser zum Fischereiverein, der Zimmer vermietet. „Sonst käme sie ja nicht zur Arbeit“, sagt Soyk.

Aber es gibt genug zu tun: Die Gartenmöbel müssen neu lackiert, Sandsäcke vor der Hofeinfahrt und vor dem Haus gestapelt werden. Manchmal fragt sich Peter Soyk schon, ob es so richtig war, die Rote Mühle zu pachten. Aber er fühlt sich wohl dort, auch bei Hochwasser. „Schließlich kann man sich im Winter von der Gäste-Phobie im Sommer erholen“, sagt er schmunzelnd. Von Ende Oktober bis etwa Ende März ist das Ausflugslokal geschlossen. Wer allerdings das Risiko eingeht und sich durch den Hochwasserstrom bis zu dem alten Backsteinhaus durchschlägt, bekommt auch eine Tasse Kaffee. Oder ein Glas Bier. „Allerdings nur aus Flaschen“, erklärt Soyk. Fassbier sei bei den überfluteten Kellern nicht möglich.

Autor: Achim Hodde

 

Zitat aus der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 2. Juli 2005 [ zum Original ]

Mahlzeit!
"Ist ja alles schön und gut mit Ihrem Wasserschloss", sagt Herr W. aus Essen-Huttrop mir am Telefon. "Aber für´n Biergarten fahr ich keine 25 Kilometer. Wat is´denn hier schön?" Also, lieber Herr W., wenn mit "hier" Essen gemeint ist, dann nehmen Sie sich doch mal ´ne Karte zur Hand (die braucht man wirklich) und suchen da irgendwo in Heisingen an der Ruhr mal ganz in Ruhe die Strasse Rote Mühle. Hier steht ein altes Fährhaus, direkt an der Ruhr (wo soll ein Fährhaus in Essen auch sonst stehen) und an schönen Abenden ist das eine echte Revier-Perle. Wer den Hals reckt, sieht sogar einen Förderturm. Als es noch Pütts gab, setzten hier Kumpel von Zeche Helene über.
Das ist lange her. Und das Fährhaus ist noch viel älter, über 250 Jahre. Heute kann kein Radler widerstehen, hier Rast zu machen, führt doch die Kaiserroute Aachen-Paderborn an der Roten Mühle vorbei. Man rastet hier nicht der Küche wegen, auch wenn die Tageskarte mehr als Jägerschnitzel zu bieten hat (selbst das übrigens mit frischen Pfifferlingen für 11 € kein schlechter Imbiss).
Hier legt an, wer Schwäne gucken will, die Ruhr leise vor sich hin glucksen hören mag, die Abendsonne auf der Backsteinmauer, die den Biergarten umgibt, anblinzelt. Apropos Sonne: Nur bei schönem Wetter ist hier der Zapfhahn in Betrieb. Bei Regen hat die Rote Mühle Ruh´.

Lars L. von Görner